germanblogs » wörter blog » widerspiegeln oder wiederspiegeln - wie wird es geschrieben?

wörter blog » besser Wisser

besser Wisser

widerspiegeln oder wiederspiegeln - wie wird es geschrieben?

6. März 2009 | Von Maximilian Fuhrmann

„Widerspiegeln“ mit „ie“ zu schreiben ist ein ziemlich häufig gesehener Fehler. Abgesehen davon, dass „wiederspiegeln“ eindeutig verkehrt ist, entbehrt auch die falsche Schreibweise nicht einer gewissen Logik.

Spiegeln flickr Krassy can do it

Das mag dann auch der Grund sein, warum man so oft „wiederspiegeln“ anstatt „widerspiegeln“ lesen kann. Benutzt man das Wort „wieder“ als Synonym für „noch einmal“ („kannst du das wiederholen?“) oder „zurück“ („ich komme wieder“), kann man durchaus auch das zurückgeworfene und noch einmal abgebildete Spiegelbild verbinden. Auch die „Wiedergabe“ kommt in diesem Zusammenhang in den Sinn.

Tatsächlich ist die Vorsilbe „wider“ aber als „gegen“ zu lesen. Das Spiegelbild reflektiert, das Licht prallt also am Spiegel ab, es wird dagegen geschleudert (und im Anschluss wieder zurückgeworfen, was den beliebten Fehler so einleuchtend macht). Verwandt mit dieser inhaltlichen Bedeutung sind auch der Widerhall und der Widerstand. Nicht nur das Spiegelbild, von dem die Redewendung kommt, auch ein Text kann etwas widerspiegeln, nämlich die Meinung des Autors oder den Zeitgeist, zum Beispiel.

Man könnte sich auch Sätze einfallen lassen, in denen „wieder spiegeln“ auftaucht, allerdings dann getrennt geschrieben und in einen komplett anderen Zusammenhang. In einem Satz wie „man müsste das Bild wieder spiegeln“ wird die Tätigkeit des Spiegelns erneut durchgeführt.

Ansonsten ist die Schreibweise „widerspiegeln“ ohne Ausnahme richtig.



 | 
 | 
 | 

Stichworte zu diesem Beitrag

5 Kommentare

  1. Über widerspiegeln habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht. Das Problem ist bei diesem Wort weniger das “wiederspiegeln”, was falsch ist, sondern für mich ist das Problem folgendes: Wider heißt gegen und spiegeln bedeutet schon, dass etwas zurückkommt, bzw. reflektiert wird.

  2. Weder noch. “Spiegeln” trägt das “wider” in sich. Das ist ähnlich wie “neuprogrammieren”.

  3. Ich finde, ähnlich wie Pencil in seinem/ihrem Kommentar, dass der obige Artikel gut gemeint ist im Sinn der Richtigstellung, aber dass die in der Argumentation verwendete Logik nicht recht schlüssig ist. Und das, wo obendrein die Logik, die zu diesem Fehler führt, als falsch dargestellt wird. Der Artikel versucht also zu erklären, wie es richtig gehört, trifft selbst aber die Problemursache nicht und bringt also keine Hilfestellung (außer der, dass man darüber nachdenkt, warum einen das Lesen des Artikels unbefriedigt zurücklässt).
    Ursache für das Problem erscheint mir weniger eine falsche Logik, sondern die Überlagerung zweier Prinzipien, die beide ihre Berechtigung haben. Das wird im eingeklammerten Satz zwar richtig erkannt, aber anstatt die Assoziationen, die Schreiber gerne fehlleiten, einzukreisen, wird am heißen Punkt vorbei irgendetwas Nebensächliches angemerkt.

    Um aber auch etwas Konstruktives zu schreiben: Ich finde den Gegensatz von zwei der weiters erwähnten Wörter interessant: “Widerhall” (z.B. an einer Wand) vs. “Wiedergabe” (z.B. einer Tonbandaufnahme).
    Bei zweiterem hat sich das Grammatikregelwerk für den Aspekt des Wiederbringens (”ie”) als relevant entschieden. Und auch hier funktioniert für eine Erklärung die analoge Betrachtung des Eindringens der Schallwellen (i.G.z. Lichtstrahlen oben) in das Medium, welches das erneute Hörbarmachen erzeugt. Das ist ja interessant!

  4. so leid es mir tut, aber die eine schreibweise ist so logisch wie die andere. dass es sich bei der einen um eine “eindeutig falsche” handelt, ist allein der normativen kraft des dudenverlags zu verdanken.
    “maßgebend in allen zweifelsfällen” oder wie hieß dort immer so schön anmaßend!?

  5. widerspiegeln

Kommentar schreiben